Verein für seekranke Trocken-Ruderer in Radolfzell gegründet

Vereinsvorstand Bodo hat sich extra für
uns bei Regen in ein Boot gesetzt und
sich für dieses Foto mit aller Kraft in die
Riemen gelegt.
Radolfzell (brez) - Ob Backbord oder Steuerbord: Peter Zäpfle wird es in Zukunft beim Rudern nicht mehr schlecht werden. Und das hat er und viele seiner Leidensgenossen einem sehr schlauen Ex-Kapitän vom Bodensee zu verdanken. Nicht nur Ruderer Zäpfle, sondern auch viele andere Ruderer leiden an dem Problem, dass sie sehr schnell seekrank werden. Ein ähnliches Problem hat auch Ex-Kapitän Rudi Schieber, der als Kind immer davon träumte, auf dem Bodensee zu schippern. Aber seine Seekrankheit macht ihm einen Strich durch die Rechnung. So wurde er eben Lokführer "Lok-Kapitän", wie er selbst sagt, und fuhr eben sein ganzes Arbeiterleben tagein und tagaus mit dem Zug am Ufer des Bodensees entlang. 

"Ich hatte über 40 Jahre Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, wie man auch andere seekranke Boot-Fans am Seeleben teilhaben lassen kann, ohne dass ihnen gleich schlecht wird. Und dann sah ich mich eines morgens im Spiegel an, und plötzlich hatte ich die perfekte Idee: Sie sollten es so ähnlich machen wie ich. Wenn schon nicht direkt auf dem Wasser Boot fahren, dann wenigstens in dessen unmittelbarer Nähe", erzählt der ehemalige Lok-Kapitän stolz. Und so kam es dann, dass er in seiner Geburtsstadt Radolfzell den ersten Trockenruderer-Verein speziell für Seekranke gründete. "O.K., die Idee ist nicht ganz neu, das weiß ich - Trockenruderer gibt es viele auf der Welt, aber ich kenne keinen, der dies in einem echten Boot, auf einem Steg am Bodensee, macht und dabei auf noch mehrere Kilometer am Tag zurücklegt", behauptet Schieber. 

Alle Mitglieder des Vereins sind chronisch seekrank und rudern jetzt trotzdem: und zwar auf einem extra gebauten Trockenruder-Steg, der ca. 120 Meter weit in den Bodensee reicht. "Hier haben wir auf drei Seiten den schönen Bodensee um uns herum und können trotzdem ohne Gewackel unsere Bahnen rudern. Und das bei jedem Wetter, sogar bei Sturm oder wenn der See gefroren ist", lobt Vereinsvorstand Bodo Kiel den neuartigen Trockenruder-Steg. 

"Wir müssen uns zwar auf dem Trockenen deutlich mehr anstrengen als unsere Kollegen im Wasser, dafür legen wir ja auch nicht so viel Strecke zurück. Und einen Vorteil hat das ganze auch: wenn man mal dringend auf die Toilette muss, dann rudert man einfach rechts ran und pinkelt in den See", ergänzt Bodo seine Ausführungen grinsend, bevor er sich extra für uns in ein Boot setzt, um für ein Foto zu posieren und uns anschließend einen Toilettengang zu demonstrieren.