Zeitumstellung - Schwaben fordern Zinsen für die "geborgte" Stunde

Viele Zinsen für viele "geborgte"
Stunden sind den Schwaben
über die Jahre davon geflossen.
Damit soll jetzt endlich Schluss sein.
Brezelingen (brez) - Immer wieder dasselbe Problem wenn in Brezelingen am letzten Wochenende im März die Uhren umgestellt werden. Inzwischen ist die Situation etwas besser geworden, da es in den meisten Wohnungen kaum noch Standuhren gibt. „Das war früher schon ganz schön anstrengend, so eine Standuhr umzustellen“, klagt die 92-jährige Elsa P., „ich wusste anfangs gar nicht wohin ich das klobige Ding stellen sollte, da ich gar keinen Platz mehr im Wohnzimmer hatte. Erst nachdem ich den Wohnzimmerschrank in den Garten gestellt hatte, war endlich Platz vorhanden.“ So wie Elsa P. erging es früher vielen Brezelingern. Niemand sagte ihnen wo sie ihre Uhren beim Umstellen exakt platzieren sollten. Was damals keiner wusste: eine Stunde ist auf der Schwäbischen-Alb kein gebräuchliches Längenmaß. Keiner kannte die Formel, wie man eine Stunde in Meter und Zentimeter umrechnet. Da wurden die Uhren sehr häufig falsch umgestellt und standen auf einmal mitten im Flur oder im Bad. Weil es auch in den Folgejahren immer wieder Probleme bei der jährlichen Zeitumstellung gab, erließ der örtliche Gemeinderat 1994 vorsichtshalber eine Verordnung, dass alle Brezelinger Bürger innerhalb der Gemeinde Funkuhren tragen müssen, damit es mit dem jährlichen temporären Chaos im Frühjahr und Herbst endlich ein Ende hat, und keiner mehr die Zeitumstellung vergisst. Nur die ältere Generation ist auch heute noch etwas verunsichert. Einige Senioren der Gemeinde tauschen ihre Funk-Armbanduhren im März bzw. im Oktober immer noch vom linken an den rechten Arm oder umgekehrt – je nachdem, ob sie Links- oder Rechtshänder sind.
Früher wurden die Brezelinger Uhren 
noch mit brachialer Gewalt umgestellt.
Seit es im Dorf aber Funkuhren gibt, 
werden immer weniger Uhren gequält.
Nachdem sich aber die meisten Brezelinger an die Zeitumstellung gewöhnt hatten, kamen einige äußerst kreative Gemeinderatsmitglieder auf die Idee, dass man doch auch mal versuchen könnte, die Nacht mit dem Tag zu tauschen. Andere wiederum hatten die Idee, dass man die Zeit auch mit Kontinenten wie Amerika oder Asien tauschen könnte. So würden die Brezelinger, die keine Zeit oder auch kein Geld zum Reisen hätten, sich durch den exotischen Zeittausch vielleicht wenigsten ein bisschen wie in der Ferne fühlen. Doch über die Jahre ließ die Begeisterung über die Sommerzeit doch recht schnell nach und die Schwaben betrachteten die Zeitumstellung mit immer kritischeren Augen. Die Nachteile überschatteten immer mehr die Vorteile. „ZEIT IST GELD“ - das gilt auch, und vor allem in Brezelingen. „So ein Beschiss, da wird uns im März eine ganze Stunde gestohlen, und dann erst im Oktober wiedergegeben. Und das ohne Verzinsung – Der Hammer! Wir bekommen keinen Zeitzins auf diese Stunde, nicht einmal eine winzige Sekunde. Das grenzt doch beinahe schon an Zeithinterziehung!“, beklagt sich der Filialleiter einer örtlichen Bank. Eine spannende These, die der Filialleiter hier vertritt. Was wäre, wenn man die „geborgte“ Zeit tatsächlich verzinst bekommen würde? Was bliebe nach Abzug der Zeitsteuer noch davon übrig? Wie hoch wäre die reale Verzinsung? Dürfte man vielleicht einen Tag früher in Rente gehen? Ein sehr interessanter Gesichtspunkt, wie wir finden. Wir bleiben dran! – Wenn wir Zeit dazu haben ...