Ist der FC-Brezelingen am Ende?

Beim FC-Brezelingen ist zumindest 
in dieser Saison die Luft raus.
Brezelingen - (brez) Nachdem der Vereinsvorsitzende des Brezelinger Fußballvereins Roli Hannes wegen Hinterziehung von mehreren zehntausend Euro Flaschenpfand zu 12 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, steht der schwäbische Auf- und Absteigerverein nun vor dem Aus. Der 67-jährige Brezelinger, der schon seit 60 Jahren Mitglied im FC-Brezelingen ist, hatte schon als Siebenjähriger damit begonnen, die auf der Zuschauertribüne herumliegenden Pfandflaschen einzusammeln und zu Taschengeld zu machen. „Daraus ist eine richtige Sucht geworden“, erklärt der ehemalige Amateur-Torwart und selbständige Landschaftsgärtner Hannes. „Ohne die Pfandflaschen hätte ich mir damals kein Mofa kaufen können, mit dem ich dann als Blumenverkäufer über die Schwäbische-Alb gezogen bin und so etwas dazuverdienen konnte. Daraus entstand dann später meine Landschaftsgärtnerei. Ohne den Zuschuss aus dem Flaschenpfand, das ich die vergangen 60 Jahre immer weiter tapfer einsammelte, hätte mein Geschäft nicht überlebt. Ich wusste ja nicht, dass die Flaschen auf dem Fußballgelände eigentlich dem Verein gehörten“, fügt der Ex-Torwart hinzu. Etwas trotzig bemerkt er noch: “Über die Jahre habe ich immer wieder Rasensamen für den Fußballplatz gespendet, und jetzt dankt es einem keiner mehr. Alles vergessen, pfff …!“ 
In dieser Saison pflanzt der FC-Brezelingen
Blumen auf seinem Spielfeld an, und möchte
sich von dem Verkaufserlös im nächsten Jahr 
neue Spieler kaufen.
Auch wenn Roli Hannes immer wieder behauptet, dass er nicht wusste, dass das Flaschenpfand eigentlich Vereinseigentum war, stellt sich immer noch die eine oder andere Frage. Weshalb hat er die Flaschen immer nachts eingesammelt, wenn ihn keiner beobachtete? Und wieso hat er unzählige Flaschen in die Schweiz gebracht, um das Flaschenpfand dort einzulösen – etwa wegen des stärkeren Schweizer Franken? Viele Vereinsmitglieder sind sich einig und erzählen uns ganz offen, dass sie ihren Vorstand nie beim Flaschenpfandamt angezeigt hätten, wenn er ihnen hin und wieder einfach mal etwas Schokolade oder sonst eine kleine Aufmerksamkeit aus der Schweiz mitgebracht hätte. „Der war schon früher so, als Torwart. Bei jedem Spiel wollte er den Ball nicht mehr hergeben, wenn er ihn ausnahmsweise Mal gefangen hatte. Mensch, waren das immer zähe Diskussionen. Er hat immer nur an sich gedacht“, erinnert sich der 70-jährige Sepp Zäpflemeier. „Aber sein Onkel war in der Kommunalpolitik tätig und wir mussten ihn im Verein behalten. Wie das eben so ist mit Wirtschaft und Vettern auf dem Land. Schade! Mit dem Geld, welches er dem Verein vorenthalten hat, wäre dieser bestimmt erfolgreicher gewesen. Dann hätten wir uns wenigsten ein paar gute Spieler aus den Nachbardörfern kaufen können. Wir haben nicht einmal mehr eine komplette Mannschaft – nur noch 9 aktive Spieler. Und davon sind einige echte Flaschen, auf die nicht einmal mehr der Hannes Pfand bekommen würde“, seufzt Zäpflemeier deutlich verärgert und schmeißt frustriert seine leere Bierflasche auf den Rasen, als er das Brezelinger Sportgelände verlässt. Roli Hannes steht derweil etwas abseits, aber ich habe bemerkt, dass er den Wurf der Flasche aus den Augenwinkeln beobachtet hat. Ob er wohl heute Nacht zurückkommen wird?