Der Brezelinger Pfarrer Felix betet das Ave Marihuana

Da hat Pfarrer Felix wohl 
ein wenig zu hoch dosiert.
Brezelingen (brez) - Da hatte Pfarrer Felix wohl doch einiges zu viel getrunken, als er in der Nacht vom gestrigen Samstag auf den heutigen Sonntag, seinen Weihrauchkessel für die kommende Messe vorbereitete. Nachdem er mit seiner Haushälterin auf einer Swinger-Party war, nahm er von dem dortigen Etablissement auch noch etwas zu nächtlichen Entspannung mit. Da im Kofferraum seines Wagen aber bereits ein Päckchen mit Weihrauch-Kräutern lag, musste es nächtens irgendwie zu einer Verwechslung gekommen sein, welche die heutige Sonntags-Messe etwas anders ablaufen ließ als sonst. 

Reden wir nicht groß drumherum, Pfarrer Felix hatte versehentlich seinen Monatsvorrat an Haschisch und Marihuana in den Weihrauchkessel gesteckt, und morgens um 9 Uhr in der sonntäglichen Messe über den Köpfen der Brezelinger Gemeinde verrauchen lassen.

„Ich habe dem Herrgott die Schultern massiert“, erzählte die 83-jährige Sophie K. noch immer verzückt strahlend. Auch viele andere Gemeindemitglieder hatten himmlische Erlebnisse. Der Beichtstuhl, der bereits tausenden von Sünden gehört hatte, erlebte sie am heutigen Morgen sogar hautnah – brechend voll war er. Hätte das Häuschen der tausend Sünden, die Farbe wechseln können, es wäre vor Scham so rot geworden, dass selbst das nagelneue Feuerwehrauto der Brezelinger Dorffeuerwehr dagegen blass ausgesehen hätte. Am längsten hielt sich Dorfpolizist Hägele im Beichtstuhl auf, da er den Schlüssel für seine Handschellen nicht mehr finden konnte.

Dorfhebamme Edith G. wird in neun Monaten wohl ein verdammt volles Auftragsbuch haben. 

Förster Fux ging schwankend und tänzelnd zu seinem Auto, holte seine Schrotflinte, und versuchte, den heiligen Geist und die anderen Tauben auf dem Deckengemälde der Brezelinger Kirche herunterzuschießen. „Was haben denn diese ganzen Vögel hier drinnen zu suchen?, grölte er, während er eine Schachtel Munition nach der anderen in die Kirchendecke ballerte. „Verfluchte Scheiße, ich bin mir sicher, ich habe die Vögel alle getroffen, aber keiner der Flattermänner fällt herunter“, brüllte er durch den Rauch vernebelten Raum. 

Die einzige Kerze, die den 
heutigen Sonntag, unbeschadet 
überstanden hat.
Schäfer Wolf wollte unbedingt die Schafe auf einem Gemälde – das große, welches gleich neben dem Seitenausgang hängt - nach Hause treiben, und rief dabei immer wieder verzweifelt nach seinem Schäferhund Jacob, da sich die blöden Viecher überhaupt kein bisschen vorwärts bewegen wollten. Sie grinsten ihn nur blöd an. Dorf-Friseurin Helga P. war nicht davon abzubringen, der Jesus-Figur neben dem Altar, die Haare zu schneiden. „Mit so langen Haaren kann man am Sonntag doch nicht in die Kirche gehen. Die jungen Leute von heute, tststs...“, rief sie die ganze Zeit und schüttelte dabei verständnislos ihren Kopf. Da die Jesus-Figur aber aus Marmor war, konnte die Schere, welche sie in der Sakristei gefunden hatte, keinen größeren Schaden anrichten.

Totengräber und Bestatter Schäufele, versuchte verzweifelt, aber vergeblich, Ruhe in den Tumult zu bringen, indem er auf die Kanzel stieg und immer wieder rief: „Ruhe, seid doch verdammt nochmal ruhig! Wenn ihr so weiter macht, dann kommen noch die Toten aus ihren Gräbern.“ Schäufele hatte keine Lust, die Verstorbenen noch einmal zu begraben, weil er sicher war, dass ihn keiner dafür bezahlen würde. Aber es passierte nichts. Draußen auf dem Friedhof blieb alle ruhig. Nur auf dem Grab des kürzlich verstorbenen Dorflehrers und Alt-68er Johnny Gräfle, fand man am Abend einige Rastalocken liegen, und die Erde auf seinem Grab sahen irgendwie frisch und feucht aus. Das kann aber auch alles nur Zufall gewesen sein, vielleicht hat auch der Restrauch auf dem Kirchengelände, die Sinne der Betrachter bis in die tiefen Abendstunden getrübt. 

Das sündige und dekadente Treiben hatte sich im Laufe des Nachmittags blitzschnell im Internet verbreitet. Laut einem Gerücht, soll ein durch die Medien gequälter und deshalb ziemlich angekäster Bischof, sich bereits per E-Mail bei Pfarrer Felix gemeldet haben, um bei ihm seinen Lebensabend als reuiger Messdiener zu verbringen.

Während in einigen Kirchen der Welt immer wieder beobachtet wurde, dass eine Marienstatue aus Trauer und Mitleid zu weinen begann, war in der Brezelinger Kirche heute Morgen eher das Gegenteil der Fall. Laut der anwesenden Kirchengemeinde hätte die Brezelinger Marienstatue gelächelt, wie es bisher noch keiner gesehen hat. Dorfarzt Dr. Schneid behauptet sogar, dass sie ihn um ein Taschentuch gebeten hätte, um sich die Lachtränen aus den Augen zu wischen. Ob das stimmt, weiß aber keiner so genau, der Dorf-Medizinmann lag zum Schluss nämlich hinter dem Altar. In der linken Hand hielt er eine leere Flasche Messwein, und mit der rechten Hand drückte er ganz fest den Weihrauchkessel an seine Brust und schlummerte.


Pfarrer Felix war das alles zu viel. Nach der langen Nacht war er nur noch müde, und wollte mit seiner Haushälterin Isabel in sein Himmelbett. Das was in seinem Gotteshaus abging, stellte alles in den Schatten, was er die Nacht davor mit seiner Haushälterin erlebt hatte.