Schweinebacke Herzlos

Schweinezüchter T. Herzlos hing auch
noch am anderen Morgen so da.
Brezelingen (brez) - Schweinezüchter T. Herzlos, hatte Ärger an der Backe – besser gesagt, an seiner grün und blau geschwollenen Schweinebacke. Wie viele andere Schweinezüchter auch, kastrierte er bisher seine Ferkel ohne Betäubung, um Geld zu sparen. Das ging jahrzehntelang gut, da dies in Deutschland noch legal ist. Inzwischen war aber eine Gruppe von radikalen und engagierten Tierschützern ins Nachbardorf gezogen. Nachdem diese das Gespräch mit Bauer Herzlos gesucht hatten, wurden sie unter übelsten Beleidigungen und idiotischen Bemerkungen, vom Hof gejagt  Unglaublich war auch seine Bemerkung, dass die Kastration den Ferkeln ja nicht weh tun würde, und dass es ja auch nicht seine Eier wären. Dieser letzte Satz war ein großer Fehler. Der frühere Einzelkämpfer S. Klingenstahl, der bei dem Hofbesuch der Tierschützer mit dabei war, und schon seit seiner Kindheit ein militanter Tierschützer ist, hatte bereits innerhalb von Sekunden seinen Plan geschmiedet.

An einem Donnerstagabend, als der herzlose Schweinezüchter 
T. H., gegen 23.00 Uhr von seinem wöchentlichen Stammtisch nach Haus torkelte, stellte Klingenstahl sich ihm den Weg. „Verschwinde, du unrasierter Nichtsnutz“, rotzte Herzlos ihn an. Mit dem stahlharten Griff seiner rechten Hand, packte der ehemalige Einzelkämpfer den Schweinebauern an dessen linken Wange, und riss ihn zu Boden. Er schleifte ihn an seiner Speckbacke hinter sich her, bis zum abseits gelegenen Friedhof von Brezelingen. Herzlos fluchte zwar die ganze Zeit wie die Sau, aber bevor er sich versah, hatte der Hüne ihn schon kopfüber am Zaun des Gottesackers festgezurrt. Was danach passierte, möchte ich hier nicht im Detail schildern. Klingenstahl wurde seinem Ruf gerecht, und er arbeitete in dieser Nacht noch viel sorgsamer und deutlich langsamer als sonst. Und er leistete verdammt gute Arbeit. Das merkte er in dem Moment, als aus der - vor Schmerzen brüllenden - Männerstimme des Saubauern, ein beinahe knabenhaftes, weiches, und ein um Oktaven höheres, Wimmern wurde.

Am nächsten Morgen fand Dorfpolizist Hägele, bei seinem Morgenspaziergang, T. Herzlos - immer noch mit dem Kopf nach unten hängend und seinen Rausch ausschlafend - am Zaun des Friedhofs vor. Sein Rauhaardackel Fritzle, war auch mit dabei. Die zwei kugeligen Stückle, die da vor dem Zaun lagen, fraß der Hund mit großem Appetit. Aber Fritzle fraß eigentlich jeden Scheiß. Da Dorfpolizist Hägele den widerlichen Herzlos auch nicht leiden mochte, rief er erst einen Krankenwagen, als er sich wieder auf dem Rückweg seines Spaziergangs befand. Das war exakt um 8.00 Uhr, denn da begann auch offiziell erst der Dienst des Polizisten.

Nach nur wenigen Tagen, wurde Herzlos bereits wieder aus der nahe gelegenen Tierklinik entlassen. Er wurde von den Sanitätern direkt in die benachbarte Tierklinik eingeliefert, und dort aus dem Krankenwagen geworfen, als er ihnen sagte, er wäre ja überhaupt nicht krankenversichert. 
Nun ist er trotzt allem wieder wohlauf. Vermutlich auch Dank des guten Essens in der Tierklinik. Katzen-, Hunde-, Kaninchen- und Pferdefutter mochte er besonders gern. Aber auch das Futter für Reptilien schmeckte ihm hervorragend – besonders die frischen Heuschrecken.
Mittlerweile singt T. Herzlos - trotz seines Alters von bereits 58 Jahren - als ältester Knabe, im Knabenchor von Vetterlesburg. Die Schweinezucht hat er inzwischen aufgegeben, und er verdient jetzt seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von rein biologischen Eiern aus Freilandhaltung. So hat er nun täglich das vor Augen, was er inzwischen nicht mehr zwischen seinen Beinen hat.